Ich sollte konkreter werden, ja? Mein erster Auftrag in L.A. führte mich mit diesen vier Gestalten zusammen und ist sehr seicht formuliert. Er mutet an wie die Beschreibung einer Widerstands-Guerilla-Aktion. Wir haben vier antik aussehende technische Geräte bekommen, die wir an vier Antennen in der Stadt anbringen sollen. Natürlich habe ich mir die Dinger angeschaut! Aber ich werde nicht schlau daraus und Nein! Nicht, weil ich eine Frau bin oder kein Verständnis davon hätte – aber … ach – ich habe einfach keine Zeit, mir diese Relikte näher anzusehen. Und auch kein Interesse. Geld soll es dafür geben – das genügt mir erst einmal.
Wir sind vorhin zum Standort der ersten Antenne gefahren. Tja – was soll ich sagen – einfach wird es nicht. Ein Bürogebäude der “White Star Consulting” – einer PR-Agentur. Mit Stacheldraht umzäunt – Sicherheitsgardisten, Kameras, biometrische Scanner aber … nun – zum Glück bin ich ja dabei. Und die Rothaarige, die mich auf eine Idee bringt.
Wir haben einen Heidenspaß dabei, uns eine Geschichte auszudenken – einen Vorwand, um das Gebäude zu betreten. Als Kunden – auf legalem Wege. Ich habe die Idee, unsere Rush als ein Model auszugeben, für das wir wegen einer vorstehenden Kampagne für einen Parfümhersteller eine Beratung brauchen. Ich suche im Netz nach einer VIP, die ihr ähnlich sieht und finde sie. Ein Model mit dem wohlklingenden Künstlernamen “Fallender Lotus” – wie ich es hasse, wenn meine Kultur zu Marketingzwecken so verdreht wird! – und so steht der Plan:
Mars wird ihren Manger mimen, 13 den Designer, ich die Visagistin. Ace wird uns von außen beistehen und so gehen wir hinein. Wagemutig, nicht wahr? Vor allem in Anbetracht dessen, dass wir uns noch gar nicht kennen aber – mal ehrlich – ich hätte den Job auch allein durchgezogen. Was sollte mich also daran hindern, ihn mit etwas Hilfe zu schaffen?
Am Empfang wird uns ein Junior Executive Manager zugeteilt, der Zeit für uns hat. Wir fahren hinauf in den 16. Stock, wo sein Büro ist – was mir sehr zusagt. Je höher desto besser – denn ich muss zur Antenne auf’s Dach! Auf dem Stockwerk angekommen verschwinde ich mit Rush ‘Fallender Lotus’ auf Toilette und sehe mich im Sicherheitssystem des Gebäudes um. Lächerlich, wirklich. Simpelste Sicherheitsmechanismen, kaum vorhandene Wächterprogramme. Ich öffne das einzige Schloss, das mir im Weg steht – unser Model verlässt inzwischen die Toilette und begibt sich zur Kundenberatung mit den anderen – und ich hacke mich in die Kameras, die meinen Weg säumen würden, und laufe los.
Und da geschieht es: Ein Moment der Unachtsamkeit, und mein Eindringen wird bemerkt. Ein stiller Alarm – der wirklich schnell zu einem lauten wird. Sicherheitsgardisten nähern sich – ich flüchte nach vorn! Ich war nie eine Frau, die sich zurückfallen lässt. Dem Ziel entgegen – hinauf auf’s Dach. Was sollte sich mir schon entgegenstellen – außer einer Horde misstrauischer muskelbepackter Bauarbeiter?
