Archiv für die Kategorie ‘Leben’

Odd Arrival

Dienstag, 06. Juli 2010

Und ich dachte, meine Gefangenschaft bei Shiawasa wäre aufreibend gewesen. Nachdem ich mich kilometerweit schwimmend (oder mich von der Strömung treiben lassend) zu irgendeiner Art von Küste durchkämpfte war ich – erneut im Niemandsland. Ich konnte nicht einmal einen verdammten Anruf durchbekommen, so abgelegen war es! Leider nicht so einsam, wie die fehlende Matrixabdeckung vermuten lassen würde.

Mir war so schlecht von der Luft, dem verseuchten Wasser und der Erschöpfung und so schleppte ich mich durch dunkle graubraune Landschaft in Richtung der Lichter Fun Citys am Horizont und merkte zu spät, dass die Straßen halbwegs ausmachbar wurden, und die Straßen derer sich mit verfallenen Slum-Behausungen säumten. Und mit deren Bewohnern.

Ich nahm meinen Mut zusammen, versuchte mich in eine halbwegs aufrichtige Haltung zu begeben und ignorierte die Worte, die nach mir geworfen wurde – oder konterte sie so bissig wie es meine Situation erlaubte. Gerade als eine Gruppe besonders schleimiger Typen sich mir näherte erreichte mich ein Anruf. Eine unbekannte Stimme bot mir an, mich hier herauszuholen – gegen einen späteren Gefallen. Was sollte ich tun – ich erreichte niemand anderen und war hilflos! Ich sagte zu und – und Augenblicke später entschloss sich eine Gruppe die mir folgte, mich nicht mehr gehen zu lassen. Meine halbherzig-erschöpften Abwehrversuche schlugen fehl und mir wurde schwarz vor Augen… (weiterlesen…)

Abstinence

Samstag, 03. Juli 2010

Ihr habt mich vermisst? Ich weiß. Aber … aber ich Euch auch. Es war eine schreckliche ungewisse Zeit!

Doch ich konnte sie doch nicht allein und ihrem Schicksal überlassen, nicht wahr? Ich war blind. Ich habe mir wirklich vormachen lassen, dass sich irgendwer um so besondere, mächtige und auf Ihre Art hilflose Kinder ganz selbstlos kümmern würde. Dass es Shiawasa täte vielleicht. *schüttelt den Kopf* Unsinn. Niemand – schon gar kein Konzern – kann der Versuchung widerstehen, die Macht der Kleinen zu nutzen. Als ich dahinter kam – da war es zu spät.

Vielleicht hätte ich auf ewig ihr Schicksal geteilt – begann ich doch, um einen klaren Kopf wiederzuerlangen und die unheimliche Leere zu füllen, einen Unbekannten in Worte einzuwickeln die ihn ins Verderben führen sollten – und, was noch schlimmer ist, unwissend einem nahen Freund ein … ein Heiligtum zu entwenden und dem Feind zuzuspielen. Ich kann es noch immer nicht fassen.

Doch die Matrix war mir hold – Unbekannte wurden zu Gefährten, Erkenntnis überkam mich wieder als ich endlich wieder Kontakt zur Matrix hatte und letztendlich wanden wir das Schlimmste ab. Von uns, vom Netzwerk, von Freunden – nicht aber von den Kindern.

Ich fiel in einen Brunnen – und konnte endlich sehen. Für einen Moment – doch die Echos dieser Eindrücke klingen noch immer nach – ohne schwächer zu werden.

Verzeih mir, Sensei. Ich denke, du wirst mich verstehen.

··· – - – ···

Montag, 15. März 2010

Ich kann nicht glauben, was da geschehen ist! Die Mafia – das waren in meinen Augen bisher zwar Kriminelle, aber doch Ihren eigenen Gesetzen folgende Gruppierungen. Ehre, Zugehörigkeit. Familie. Vergesst es!

Nicht nur, dass sich der Kopf des Syndikates mit seinem Sohn eine Fehde liefert – und das bei den Verhandlungen mit uns, Ihren Dienstleistern, auch nicht zu verbergen versucht – nein, es geht noch weiter:

  • Wir, die dafür bezahlt werden, konkrete Aufgaben abzuschließen, werden plötzlich nach unseren Beweggründen gefragt und sollen uns Gedanken über die Auswirkungen unserer Taten machen. Als Berater sind wir aber nicht eingestellt worden!
  • Uns werden zwei Aufträge angeboten – einer vom Don persönlich und einer von seinem Sohn. Die Aufträge widersprechen sich und die beiden kommen sich auch überhaupt nicht blöd dabei vor, sich so vor uns bloßzustellen.
  • Als der Handlanger des Dons nicht mit unseren Ergebnissen zufrieden ist, ist es ihm nicht genug, uns nicht zu bezahlen. Es ist ihm auch nicht genug, uns zu drohen und zu verlangen, dass wir diesen “Fehler” beheben – nein: Er bindet uns mit unserem Blut, dass er uns mit Gewalt abnimmt, mit irgend so einem Ritual-Hokuspokus an sich und dann verlangt er von uns, unschuldige Waisenkinder auszuliefern!

Tja – da staunt Ihr, was? Gut – nun brauche ich Eure Hilfe.

Ich brauche Informationen – alles was ihr über meinen neuen Erzfeind ausgraben könnt:

  • Immobilien
  • Scheinfirmen
  • Feinde
  • Kontakte

…des Milano-Kartells und natürlich Gefährten – Unterstützer aller Art. Geld, Ausrüstung, Informationen. Das Schattenland ist eine wundervolle Welt – und wenn ihr hier seid, so nutzt ihr seine Dienste sicher täglich: Nun ist Eure Chance, einer Schutzpatronin des Schattenlandes zu helfen, und etwas zurückzugeben.

Oh – und da ist noch etwas: Ich brauche Kontakt zu jemandem, der sich mit Ritualmagie auskennt. Ihr wisst, wie ihr mich erreichen könnt, ja?

Habt Dank. Ich zähle auf Euch!

QT

Betrayed

Sonntag, 14. März 2010

Ich habe in den letzten Wochen viele neue Gesichter kennengelernt. Ansehnliche und abschreckende – und ebensoviele Seelen. Wir wurden in’s kalte Wasser geworfen und haben Schläge für und gegen Syndikate geführt, so dass mir manchmal schwindlig war und ich nicht mehr wusste für und gegen welche Verbrecherorganisation wir gerade kämpfen. Aber beim letzten Run wurde das wohl auf die Spitze getrieben.

Ich bin ja ein optimistisches Geschöpf und dachte mir, wenn mich jemand um Hilfe bittet – sich die Mühe macht mich persönlich anzurufen dann gibt es schon einen Grund, warum er gerade mich will. Aber aus den eigenen Reihen verraten zu werden?

Wäre Lucy nicht gewesen, hätte das wohl böse geendet. Und für sie tat es das auch so – ich hoffe sie erholt sich von ihren Verletzungen. Nach dieser Ungeheuerlichkeit schwebt die Erkenntnis, dass der letzte Run nur eine Farce war – von der Reinkarnation eines vor Kurzem verschollenen Teammitgliedes eingefädelt um uns in ein Ritual zu bekommen das seine Seele an die irdische Welt bindet, nur noch wie ein glitzernder Nachhall auf dem Erlebten.

Mars Marrs (mit zwei ‘r’ – wohl wegen das Knurren das ein Kojote macht?) ( ist wieder da – und er ist nun ein Teil von uns allen. Und wir von ihm. Was das bedeutet – das hoffe ich in den nächsten Tagen herauszufinden.

Farming

Montag, 01. März 2010

Ich bin im siebten Himmel! Wer mich kennt weiß, dass ich in den letzten Wochen viel Zeit mit lukrativen Aufträgen und interessanten Menschen verbrachte. Sehr lukrativ waren die Aufträge sogar – doch was soll ich damit? Ihr wisst – mich kann man nicht locken mit Dingen, die man von Geld kauft. Also suchte ich nach Investitionsstrategien und fand welche – unter den Straßen in stillgelegten Tunneln.

Ich schlug einem guten Freund vor, Ihm ein wenig mit Server-Infrastruktur unter die Arme zu greifen, wenn er mir einen sinnvollen Ort zeigen kann, diese unterzubringen – und er überraschte mich. Er führte mich durch halb überflutete Schächte unter den Straßen LAs bis ich dachte, wir hätten uns verlaufen – und plötzlich standen wir vor einer riesigen Plaststahlwand mit einem schweren Tor. Doch – als ich näher kam und die Wand anleuchtete fiel mir auf, dass der Dreck, die Spuren hinabrinnenden Wassers, die Risse – all diese Dinge waren kunstvoll auf eine Wand gesprüht, die an sich vollkommen neu und in Ordnung zu sein schien, sich wegen der hübschen Bemalung aber perfekt in diese verfallene Kloake integrierte.

Mein Gefährte grinste, öffnete das Tor und bat mich herein. Ich lief drei Schritte in die Dunkelheit – dann krachte hinter mir die Tür ins Schluss. Ich fuhr herum – und das Licht ging an. Gleißend helles Licht! Hinter mir sah ich drei schlammige Fußspuren von mir, und ein paar von meinem Begleiter – und die sahen noch schlammiger aus in diesem sterilen Raum.

Lampen gab es nicht – der Boden und die halbrunde Wölbung der Decke erstrahlten aus unzähligen milchglasähnlichen Platten die selbst zu leuchten schienen und tauchten alles in ein nüchternes Licht. Dieser Raum war riesig! Sicher 40m lang und 15m breit. Einige der Bodenplatten leuchteten nicht, bargen aber Anschlüsse für Netzwerk und Energie. Die Luft roch gefiltert und klimatisiert.

Ja – in diesem Ort könnte ich guten Gewissens Server im Wert von 60.000¥ aufstellen. Und ich würde Spaß dabei haben :)

Wetterwechsel

Montag, 24. August 2009

Ich muss sagen, es gibt kaum schönere Wege als die, welche durch die belebten und geschäftigen Gegenden der Stadt führen. Nicht nur, dass man von der tristen Realität nichts mehr erkennt, weil alles – ja wirklich alles – von mehreren Schichten aus AR-Objekten verdeckt wird. Es ist nährstoffreich. Alles fließt – ich spüre es. Ich fühle mich, als würde ich nicht laufen müssen – als könne ich mich an einem Netz aus Informationen entlanghangeln.

Ein Beobachter sieht mich natürlich nicht in tarzanesquen Bewegungen den Großstadtdschungel durchschreiten – sondern erhabenen, eiligen Schrittes die Passantenströme durchpflügen. Respektvoll macht man mir Platz – auch wenn ich niemanden mit Augenkontakt belohne. Natürlich tun sie das! Das tun sie immer.

‘Ein sojaverwandtes, muntermachendes Heißgetränk’ schießt es mir durch den Kopf – ‘das wäre es!’ – und ehe ich es realisiere habe ich einen Datenstrom gefunden, der mich zu einem entsprechenden Lokal führt. Ohne dieses Talent hätte ich wohl ewig gesucht – selbst wenn in meinem Blickfeld sicher 5 AR-Anzeigen für ebensolches zu sehen sind.

Ich lasse mich nieder – auf einem zu hohen Designerhocker mit Blick nach draußen. Das Glas ist verspiegelt, doch das ist mir gleich. Ich gehe in die AR, bestelle mir etwas schaumig-süßes und als ein fliegendes Tablett es vor mir abstellt halte ich mich an dem Getränk fest. Gerade als ich einen Tweet verfasse, in dem ich mich über meine Sitzgelegenheit auslassen möchte, klingelt mein Comlink. Es klingelt! Keine IM, keine DM, keine Mail – eine Audioverbindung bahnt sich an. Wie unhöflich! Genervt nehme ich an und… das Unheil nimmt seinen Lauf.

Wohnungssuche

Montag, 24. August 2009

LA ist ein Drecksloch. Ein Paradies! Ein Sündenpfuhl, eine stinkende Kloake, ein Schwarm kreischend blinkender Lichter und ewige stille Dunkelheit.

Mittendrin habe ich mir eine Bleibe gesucht. In einem der Viertel, in der der Wert einer solchen mit dem Abstand zum Boden nicht wegen der Aussicht, sondern der Sicherheit steigt. Ich fühle mich sicher genug, um hier zu schlafen – und es ist hübsch hier! Riesige Panoramafenster – mit Blick auf das blaue Meer. Sandige Strände – ameisenkleine Menschen. Möbel in Teakholz, Chrom und schwarzem Leder.

Meine Putzfrau hat viel zu tun – aber sie arbeitet fleißig. Manchmal sehe ich ihr dabei zu. Ashley ist ihr Name – und wie sie sich abmüht!

Ein jedes meiner Möbelstücke ist geformt aus einer Stimmung – einem Gedanken, einer Emotion. Das Wetter vor den Fenstern – und der Staub auf den Oberflächen sind in einen Kontext gewobene Datenströme, die aus den wenigen interessanten Knoten tropfen, denen ich öfter einen Gedanken zuwerfe. Ashley ist plump. So hübsch sie aussehen mag – wie einem Katalog für Fetischkleidung entsprungen – so ist und bleibt sie stupider Code. Nach immer dem selben Muster versucht sie, die Möbel in meiner Wohnung zu säubern und ist überfordert. Sie ist gleichmäßigen Staub gewöhnt. Nach Gauß normal verteilten. Keinen emotionalen.

Ich werde sie einmal selbst formen müssen. Aber oft erinnert mich ihre Unzulänglichkeit daran, dass es eine andere Welt gibt. Manchmal wechsle ich dann aus der AR – für einen Augenblick. Sehe auf vergilbte Wände, kleine vergitterte Fenster und Füße, die davor hektisch entlanglaufen.

Ich muss hier raus. Auf einen Kaffee. Ich schreibe morgen weiter.