Am Wolkenkratzer angekommen waren wir uns einig: Wir wollen rauf auf’s Dach, unseren Auftrag erledigen und verschwinden. All das so schnell wie möglich – und deshalb waren wir recht guter Dinge als wir bemerkten, dass in den höheren Stockwerken einige Fenster fehlten und dass unser Bergungskran gerade bis dort hinauf reichte. Das dunkle Glaslose Fenster in diesem riesigen verfallenen Turm wirkte auf keinen von uns sehr einladend – doch B13 und ich überwanden uns – und eine fliegende Drohne von Ace leistete uns Gesellschaft und spendete uns Licht.
Das war auch bitte nötig – die Wände dort drin schienen auf mich einzustürzen als wir uns den Weg durch vermoderte Gänge und halbverfaultes Gerümpel bahnten. Ich hatte das Gefühl, das Haus würde schwanken und könne jeden Moment umfallen – und der kleine Lichtkegel, den die Drohne uns spendete, bewirkte zwar dass ich sah wohin ich trat – aber sicher fühlte ich mich deshalb nicht. Im Gegenteil! Manchmal, wenn sie hinter uns schwebte, erschreckte ich mich vor meinem eigenen Schatten!
Doch wir hatten einen Auftrag zu erfüllen: Zügig wollten wir denWeg nach oben auf’s Dach finden. Doch wir fanden zunächst etwas anderes: Ein Zucken, eine Bewegung am Ende eines Ganges – die mich nicht so sehr erschreckt hätte, wenn die automatischen Waffen der Drohnen das nicht zum Anlass genommen hätten, einen ohrenbetäubenden Lärm und einen tödlichen Kugelhagel zu entfachen. B13 nahm das als Aufforderung, in diesen Lärm einzustimmen und … ich ließ mich einfach zurückfallen und hielt mir die Ohren zu. Wir … wir waren uns noch nicht einmal sicher, etwas getroffen zu haben – doch anscheinend war sich B13 sicher, hier weg zu wollen: Er rannte – ans andere Ende des Ganges und um eine Ecke. Ich war allein.
Das sollte mich ängstigen – aber da gleichzeitig dieser Krach aufhörte, fühlte ich mich erst einmal besser. Ich nahm Kontakt mit den anderen auf dem Boot auf, doch auf deren Funksprüche antwortete B13 auch nicht. So tastete ich mich im Dunkel voran, versuchte ihn zu orten, und nach einigen unheimlichen Begegnungen mit Sinnestäuschungen und Schleimpfützen fand ich ihn. Er hatte sich beruhigt – und wir machten uns auf die Suche nach einem Weg nach oben.
Als wir um eine Ecke kehrten, erschien plötzlich eine undefinierte Gestalt – bewegte sich schnell auf uns zu und – diesmal erschienen die automatischen Waffen und 13s Pistolen ein erlösendes Geräusch zu sein. Ich hielt mir die Augen vors Gesicht und die beiden taten sich erstaunlich schwer, diesen Widersacher zu Boden zu strecken. “Gut gemacht, Ace – aber knapp war das schon, oder?” gab ich über Funk durch – und die Antwort kam von Rush: “Ich schicke Euch Verstärkung.”
Wir liefen also weiter durch modernde Gänge – und sahen plötzlich etwas wie ein Gebäude in dem Gebäude. Recht genau in der Mitte erschien ein massiver, quadratischer Raum und wir ahnten, dass das unser Ziel sein könnte: Das Treppenhaus – ein Weg nach oben! Wir liefen darauf zu, im Lichtkegel der Drohne, als sich plötzlich etwas rot glühendes aus der Dunkelheit schälte. An der Ecke vor uns, aus dem völligen nichts, erschien ein rotes Glimmen, das anwuchs zu einem Leuchten, einem Lodern gar und – nun – diesmal war ich darauf vorbereitet, dass Schusswaffenlärm die Stille durchdrang. Ein wenig unnütz kam ich mir vor, dass ich schon den dritten Kampf nur als Zuschauerin dabei war – doch mein großer Moment sollte erst noch kommen. So hoffte ich zumindest.
“Was tut ihr da! Was hat Euch angegriffen?” dröhnte es über Funk von Rush, als wir dieser Feuerkugel das Licht ausgeknipst hatten. “Irgendein Geist – ein Feuergeist, glaube ich.” gab ich zurück – “doch die beiden haben sie erledigt.” Ich denke, das war die falsche Antwort. Rush war entsetzt, hielt uns einen Vortrag darüber, dass sie uns den Geist gesandt hatte, dass er uns beschützen sollte – und wollte vorerst nicht verstehen, dass es eine schlechte Idee ist, ein infernales Ungetüm in eine unbekannte Gegend zu zwei unvorbereiteten Teamkameraden zu senden, und das ganze mit keinem Sterbenswort anzukündigen!
Nun, die Kleine muss noch lernen. Wir sehen es ihr nach.
Aber wir hatten ein Ziel vor Augen! Wir brachen die Tür auf, liefen einen letzten Gang entlang, und sahen das Treppenhaus. Leider bot es sich in Form eines riesigen Wasserbeckens dar – die Treppen waren herausgebrochen und begannen erst 2 Stockwerke über uns. Und das Wasser es… es brodelte!
Dann geschah alles unglaublich schnell. Ein riesiges Ungetüm durchbrach die Wasseroberfläche und griff uns an. Ich konnte mich nicht wehren, wollte davonlaufen, doch verlor die Orientierung, da Aces Drohne wie wild Kreise flog um sich in Schussposition zu begeben und das Licht mit sich nahm. Ich meinte, den Gang hinaufzulaufen, sah hinter mir nur Dunkelheit und hatte Angst, dass gleich ein Tentakel daraus hervorschnellt und mich festhält bis ich merkte, dass ich in die falsche Richtung lief und fast in den Abgrund stürzte. Dazu der Krach der Schusswaffen und der modrige Gestank! Ich weiß nicht, was die beiden getan haben – aber nachdem mich dieses Wesen fast zu sich gezogen hatte, nahm 13 mich bei der Hand, entriss mich diesem ekligen Wesen und wir rannten. Wohin? Egal – weg von hier!
Unsere Flucht führte uns geradewegs vor eine eiserne Schiebetür: Ein Fahrstuhl! Ich kicherte in mich hinein: Es gibt im ganzen Haus keinen Strom -aber die Idee einfach bequem mit dem Aufzug ganz nach oben zu fahren – vorbei an all den Geistern und zerstörten Treppen – das erschien mir schon verlockend.
Gerade als ich weitergehen wollte spürte ich aber ein Signal von der Tür ausgehen. Ich stockte kurz, hielt die anderen zurück und stimmte mich darauf ein.
Das System sah aus wie ein Schlachtfeld – doch intuitiv fügte ich die übriggebliebenen Codeschnippsel zu etwas zusammen das sich richtig anfühlte und – die Aufzugtüren glitten auseinander.
13 staunte nicht schlecht und wir vertrauten uns dem Blechkasten an. Die Fahrt nach oben verlief rucklig – doch oben angekommen sahen wir die Sonne über und die Wolken unter uns. Die Sonne schien hier auf unzählige Solarpanels die erklärten woher der Aufzug seinen Strom hatten.
Schneller als ich es mir vorgestellt hatte fanden wir die Antenne, brachten das Gerät an und kehrten zurück zum Boot.
Das sah aus, als sei es in eine Seeschlacht verwickelt gewesen! Im Bug klaffte ein Leck, der Bergungskran war abgerissen, es hatte Schlagseite – aber es sah noch aus als könnte es den Weg zurück noch schaffen.
Sobald wir an Bord waren gab Ace auch schon Gas.
