Ich muss sagen, es gibt kaum schönere Wege als die, welche durch die belebten und geschäftigen Gegenden der Stadt führen. Nicht nur, dass man von der tristen Realität nichts mehr erkennt, weil alles – ja wirklich alles – von mehreren Schichten aus AR-Objekten verdeckt wird. Es ist nährstoffreich. Alles fließt – ich spüre es. Ich fühle mich, als würde ich nicht laufen müssen – als könne ich mich an einem Netz aus Informationen entlanghangeln.
Ein Beobachter sieht mich natürlich nicht in tarzanesquen Bewegungen den Großstadtdschungel durchschreiten – sondern erhabenen, eiligen Schrittes die Passantenströme durchpflügen. Respektvoll macht man mir Platz – auch wenn ich niemanden mit Augenkontakt belohne. Natürlich tun sie das! Das tun sie immer.
‘Ein sojaverwandtes, muntermachendes Heißgetränk’ schießt es mir durch den Kopf – ‘das wäre es!’ – und ehe ich es realisiere habe ich einen Datenstrom gefunden, der mich zu einem entsprechenden Lokal führt. Ohne dieses Talent hätte ich wohl ewig gesucht – selbst wenn in meinem Blickfeld sicher 5 AR-Anzeigen für ebensolches zu sehen sind.
Ich lasse mich nieder – auf einem zu hohen Designerhocker mit Blick nach draußen. Das Glas ist verspiegelt, doch das ist mir gleich. Ich gehe in die AR, bestelle mir etwas schaumig-süßes und als ein fliegendes Tablett es vor mir abstellt halte ich mich an dem Getränk fest. Gerade als ich einen Tweet verfasse, in dem ich mich über meine Sitzgelegenheit auslassen möchte, klingelt mein Comlink. Es klingelt! Keine IM, keine DM, keine Mail – eine Audioverbindung bahnt sich an. Wie unhöflich! Genervt nehme ich an und… das Unheil nimmt seinen Lauf.
